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Mittwoch 24.05.2017
 
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Presseinformationen
Begrüßungsansprache von Bundespräsident Roman Herzog anläßlich des Sparkassentages in Leipzig am 29. April 1998 zur Bundesprämierung der ersten StartUp-Sieger

Bei Ihrer Veranstaltung spürt man förmlich den Aufbruch. Hier sind junge Menschen, die ihre Ideen umsetzen, die Selbständigkeit als Chance erkannt haben. Und hier sind starke, erfahrene Partner, die ihnen dabei helfen. Hier wird von Wagniskultur, Mut zum Risiko und Offenheit gegenüber dem Wandel nicht geredet; hier wird der Beweis angetreten.

Wir sind in Deutschland nicht nur saturiert. Wir verfügen über viel Wissen, innovative Ideen, großen Fleiß. Und es gibt viele Talente im Lande, die entdeckt werden wollen. Ich habe den Eindruck, mehr und mehr beginnen wir Deutschen zu begreifen, wo Defizite entstanden sind und wie wir sie beseitigen können!

Der StartUp-Wettbewerb bringt unsere Talente zutage! Ich bin in den letzten Monaten oft gefragt worden, wo denn der von mir angemahnte Ruck in unserer Gesellschaft bleibe. Heute wird er an einer ganz zentralen Stelle sichtbar! Es trifft zu: Das gesellschaftliche Klima für Innovationen und Reformen hat sich allmählich zum Besseren gewandelt. Diesen Trend müssen wir jetzt stabilisieren und weiter verstärken. Der StartUp-Wettbewerb ist dafür hervorragend geeignet. Deshalb bin ich froh, sein Schirmherr zu sein.

Das Echo auf den Wettbewerb war beeindruckend. Dazu hat sicher die gute Partnerschaft zwischen Sparkassenverband, McKinsey und Stern beige- tragen. Hier haben sich Kompetenz und Öffentlichkeitsorientierung gut ergänzt. Entscheidend für den Erfolg waren vor allem aber zwei Punkte:

Erstens: Es ist ein enormes Potential an Ideen vorhanden - Ideen für neue Güter und vor allem Dienstleistungsangebote und zweitens: Es gilt vor allem unter den Jungen, die darauf brennen, etwas zu unternehmen, wieder die alte Volksweisheit: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"

Nicht nur die Bereitschaft zum Wagnis hat zugenommen - es gibt geradezu eine Lust dazu. Und ich freue mich darüber. Hier sind keine Hasardeure am Werke, sondern ideenreiche und phantasievolle Jungunternehmer.

Kein Betrieb - ob etabliert oder neu - kommt ohne ständige Innovationen aus. Aber ihre Realisierung geht oft rascher in frisch auf den Markt tretenden Firmen voran; denn Platzhirsche verzögern mitunter die Einführung neuer Produkte, damit sich die alten noch "rentieren können". Solche Überlegungen sind zuweilen ökonomisch durchaus nachvollziehbar. Aber sie unterstreichen erst recht, daß wir auch junge, mit neuen Ideen auf den Markt kommende Unternehmer brauchen, die den "Alten" Dampf machen.

Mehr als 50.000 potentielle Gründer hatten das StartUp Teilnehmer-Handbuch angefordert, das übrigens ein hervorragender Leitfaden zur Erstellung von Geschäftsplänen ist. Mehr als 2.000 haben dann den Mut gehabt, ihre Idee im Wettbewerb mit anderen vorzustellen.

Sicherlich war es für die Jury eine schwere Entscheidung, die zehn Besten auszuwählen und für heute einzuladen. Weil es so schwer war, sind es - wie Sie ja schon wissen - sogar 11 geworden, wobei sich zwei den zehnten Platz teilen. Ich will an dieser Stelle nichts über die noch ausstehende Plazierung der besten fünf verraten; etwas Spannung muß ja noch bleiben. Auf jeden Fall gilt aber: Allen Gründerinnen und Gründern, die an diesem Wettbewerb teilgenommen haben, wünsche ich viel Erfolg für ihr neues Unternehmen; sei es, daß es schon am Markt agiert oder, daß es kurz vor der Gründung steht. Es geht hier natürlich auch um den Gewinn - sonst wäre es ja kein Wettbewerb. Aber noch wichtiger ist der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles. Zumal letztlich jedem realisierten Projekt Gewinn winkt: nicht als Preisgeld, sondern als Unternehmerlohn.

Der Gründung einer Firma kann eine Odyssee durch bürokratische Instanzen und Geldinstitutionen vorausgehen, die einem Spießrutenlaufen gleichkommt. Das hält viele davon ab, dem Gedanken an eine Gründung konkrete Form zu geben.

Daß viele Hürden dieser Art zu nehmen sind, steht außer Frage. Viele dieser Regeln sind auch notwendig; denn eine funktionierende Wirtschaft braucht nun einmal einen für alle verläßlichen rechtlichen Rahmen. Andererseits trifft es auch zu, daß sich bei uns im Laufe der Jahrzehnte ein Wust an Paragraphen angehäuft hat, deren Sinn oft nicht mehr einleuchtet, auch wo sie vielleicht ursprünglich einmal ihre Berechtigung gehabt haben. Solche Summierungen an sich wohlgemeinter Vorschriften haben mittlerweile zu Intransparenz und Ineffizienz geführt. Manche richtet heute mehr Schaden an als sie Vorteile bringt. Deregulierung tut also Not und ist in vielen Bereichen auch schon erheblich vorangeschritten.

Wir brauchen einfache, verständliche Regelwerke! Und gründungswillige Unternehmer brauchen darüber hinaus effiziente Beratungshilfe in rechtlicher, wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht. Dieses Dienst- leistungsangebot zur Beratung von Existenzgründern ist sogar eine wichtige Zukunftsbranche. Hier hat sich schon viel getan, und hier hat dieser Gründungswettbewerb auch vorbildliche Arbeit geleistet. Er hat den gründungswilligen jungen Frauen und Männern konkrete Hilfe gegeben, wie eine Idee für ein Produkt oder eine Dienstleistung in ein neues Unternehmen umgesetzt werden kann.

Begrüßenswert finde ich auch die Einrichtung von Existenzgründer- lehrstühlen an unseren Universitäten. Mit der Etablierung an der European Business School ist hier ein Anfang gemacht. Ich hoffe, noch viele Universitäten werden folgen. Für Köln und einige andere hat die Aussicht auf einen Existenzgründerlehrstuhl schon konkrete Gestalt angenommen. Wir sollten hier von Amerika lernen: eine vergleichbare Dichte von Existenz- gründerlehrstühlen wie in den USA würde bei uns 50 Professorenstellen entsprechen.

Unternehmer fallen nicht vom Himmel! Deshalb dürfen wir auch nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern wir müssen bei der praktischen Anwendung helfen. Deshalb müssen wir die Studenten unserer Universitäten zur Selbständigkeit ermutigen. Unsere Hochschulabgänger sind hervorragend ausgebildet. Sie können sich allen Unkenrufen zum Trotz auch im internationalen Vergleich sehen lassen. Aber die wenigsten sind vorbereitet, sich für die Selbständigkeit zu entscheiden. Deshalb gilt es dafür zu werben, daß sich Karriereträume nicht nur auf Positionen in großen Konzernen oder im öffentlichen Dienst beziehen. Auch das sind ehrenwerte Berufsfelder. Aber für die Dynamik unserer Wirtschaft ist es noch wichtiger, daß mehr Absolventen selbständige Unternehmer werden.

Eines der Hauptprobleme für Gründungswillige bleibt nach wie vor die Finanzierung. Oft ist der Vorwurf zu hören, Banken seien nur zur Förderung großer Projekte bereit. Natürlich ist es einfacher und risikoloser, die geplante Großinvestition eines etablierten Unternehmens zu bewerten und dafür Kredite zu Verfügung zu stellen. Große Volumina und vergleichsweise geringer Arbeitsaufwand machen das attraktiv für eine kreditgebende Bank. Aber wie steht es mit Projekten, hinter denen zunächst nur eine Idee steckt - etwa eine neue Dienstleistung oder ein neues Produkt? Deren Wert zu analysieren ist schwierig. Hinzu kommt, daß es vielfach um nur ein geringes Volumen in Form eines Betriebsmittelkredits für eine einfache Büro- erstausstattung geht. Das sind alles ernstzunehmende Faktoren, die zuweilen das Engagement der finanzierenden Bank bremsen. Aber auch so kann man Initiative abtöten!

Ich begrüße es daher sehr, wenn die Banken und Sparkassen dieses Problem jetzt energisch angehen! Hier muß ich vor allem den Sparkassen großes Lob aussprechen. Die seit rund einem drei Viertel Jahr stattfindende Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut ist vorbildlich. Tatsächlich wären viele Sparkassen und andere Kreditgeber überfordert, für die Analyse aller Dienstleistungsprojekte eigene Spezialisten vorzuschalten. Hier muß Expertenwissen von außerhalb herangezogen werden.

An einen Mangel an Risikokapital mag ich jedenfalls nicht glauben, und in dieser Überzeugung bestätigen mich viele hervorragene Kenner der Materie. Hier können die Klagen junger Unternehmer, daß sie bei der Bemühung um vergleichsweise geringe Betriebskredite mitunter ungeahnte Hürden überwinden müssen, ihre letzte Ursache nicht haben. Prof. Horst Albach von der Humboldt-Universität Berlin hat kürzlich die Auffassung vertreten, daß weniger der Mangel an finanziellen Mitteln als vielmehr der Mangel an Information - etwas über die Tücken des Marktes oder steuerliche Möglichkeiten - ein Haupthindernis auf dem Weg zur Selbständigkeit sei. Dieses Defizit sollte behebbar sein! Und sicherlich hat sich auf diesem Gebiet schon viel getan. Das eben zitierte Engagement der Sparkassen ist ein gutes Zeichen.

Die Entscheidung, welche Länder an der Wirtschafts- und Währungsunion teilnehmen werden, ist grundsätzlich gefallen. Der EURO bringt nach meiner Überzeugung große Chancen. Aber er trifft auch auf Vorbehalte. Deshalb ist es wichtig, ihm zu breiter Akzeptanz zu verhelfen. Die Europäische Zentralbank braucht von Anfang an das gleiche Vertauen, das die Bürger der Bundesbank als Hüterin der D-Mark entgegenbrachten!

Der EURO ist ein einmaliger Schritt in der Wirtschaftsgeschichte Europas. Mit ihm eröffnen sich neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, gerade für gründungswillige Unternehmer und Unternehmerinnen. Die Zukunft liegt in Europa. Aber nur, wer sich diesen Herausforderungen stellt, hat die Chance, mit innovativen Ideen diese Möglichkeiten zu nutzen. Und das geht von hier aus, vom Standort Deutschland. Insofern finde ich das Motto, unter dem dieser Sparkassentag steht: "Zukunft Europa - Standort: hier", richtungsweisend.

Besonders freut es mich aber, daß wir auch die StartUp-Verleihung hier in Leipzig vornehmen können. Gründungswillige Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, sind gerade hier, in den östlichen Ländern, notwendig. Und gerade hier sind auch die Voraussetzungen dafür gut. In diesem Sinne wünsche ich den Veranstaltern und den Teilnehmern am StartUp-Wettbewerb viel Erfolg bei der Umsetzung ihres Mottos.

Vielen Dank!
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